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Expertenmeinung · Leitlinien im Überblick

PTBS: was die VA/DoD-Leitlinie von 2023 empfiehlt und wie man sie aus ukrainischer Sicht einordnet

Überblick über die wichtigsten Aussagen der US-amerikanischen klinischen Leitlinie zum Umgang mit PTBS und akuter Belastungsstörung: welche Behandlungen sie an erster Stelle nennt und von welchen sie abrät.

Kurz gesagt
  • An erster Stelle stehen drei traumafokussierte Psychotherapien: kognitive Verarbeitungstherapie (CPT), Prolongierte Exposition (PE) und EMDR.
  • Der Psychotherapie wird wegen des größeren und anhaltenderen Nutzens der Vorzug vor Medikamenten gegeben; unter den Medikamenten werden Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin empfohlen.
  • Nicht empfohlen werden Benzodiazepine sowie Cannabis und seine Abkömmlinge; Entscheidungen werden gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten getroffen.

Dies ist eine Übersicht über ein Dokument, keine eigene Bewertung der Redaktion: Wir geben die Aussagen der Leitlinie wieder und nennen bei jeder Schlussfolgerung deutlich, von wem sie stammt. „Management of Posttraumatic Stress Disorder and Acute Stress Disorder“ (2023) ist die klinische Leitlinie des US-Ministeriums für Veteranenangelegenheiten und des US-Verteidigungsministeriums (VA/DoD). Sie enthält 34 evidenzbasierte Empfehlungen in drei Modulen: akute Belastungsreaktion bzw. -störung (A), Einschätzung und Diagnostik der PTBS (B) und Behandlung der PTBS (C). Das Dokument richtet sich an Klinikerinnen und Kliniker und ersetzt nicht deren Urteil.

Psychotherapie als erste Wahl

Die Leitlinie empfiehlt drei traumafokussierte Psychotherapien:

  • kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy, CPT);
  • Prolongierte Exposition (Prolonged Exposure, PE);
  • Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen (EMDR).

Der Psychotherapie wird gegenüber Medikamenten der Vorzug gegeben wegen einer „größeren und anhaltenderen Besserung“ (Formulierung der Zusammenfassung der ISTSS). Schwächer gestützt, aber „vorgeschlagen“ werden: die kognitive Therapie nach Ehlers, die gegenwartsbezogene Therapie (Present-Centered Therapy), die schriftliche Expositionstherapie und die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR).

Medikamente

  • Empfohlen: Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin.
  • Prazosin wird bei PTBS insgesamt nicht vorgeschlagen, wohl aber zur Erwägung bei nächtlichen Albträumen.

Was die Leitlinie nicht empfiehlt

  • Benzodiazepine, Cannabis und seine Abkömmlinge – die Leitlinie empfiehlt, sie nicht anzuwenden.
  • Elektrokonvulsionstherapie und Vagusnervstimulation – von beiden wird abgeraten, weder als alleinige Behandlung noch als Ergänzung zu Medikamenten.
  • Für viele andere Verfahren reicht die Evidenz nicht aus, um dafür oder dagegen zu raten.

Wie die Entscheidung getroffen wird

Der Algorithmus beginnt mit einer der drei empfohlenen traumafokussierten Psychotherapien und geht dann je nach Präferenz der Patientin oder des Patienten oder je nach Verfügbarkeit zu Medikamenten oder „vorgeschlagenen“ Verfahren über. Die Leitlinie betont die gemeinsame Entscheidungsfindung: die Zusammenarbeit von Patient und Fachperson unter Berücksichtigung der Werte und Präferenzen der Person. Empfohlen wird außerdem eine messungsbasierte Versorgung – den Zustand mit validierten Skalen zu verfolgen, um zu erkennen, wann das Ziel erreicht ist und wann der Fortschritt stockt und das Verfahren gewechselt werden sollte.

Wie man das in der Ukraine einordnet

  • Dies ist ein Dokument für US-amerikanische Militärangehörige und Veteranen. Es ist kein ukrainisches Protokoll, und die Verfügbarkeit der Verfahren in der Ukraine ist unterschiedlich.
  • Die Grundidee – traumafokussierte Psychotherapie als erste Wahl und nicht die „Pille gegen alles“ – deckt sich mit dem Ansatz, den die WHO als evidenzbasierte psychologische Interventionen bei lang anhaltendem Distress bezeichnet.
  • Suchen Sie eine Fachperson, die gezielt mit traumafokussierten Methoden arbeitet, und fragen Sie, mit welchen genau. Beginnen oder beenden Sie Medikamente nicht eigenmächtig.

Wo man in der Ukraine Hilfe findet

  • 7333 – „Lifeline Ukraine“, rund um die Uhr, kostenlos und anonym: Suizidprävention und Unterstützung der psychischen Gesundheit;
  • 0 800 100 102 – Hotline der Nationalen Psychologischen Vereinigung, täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr;
  • 0 800 33 20 29 – Krisenhotline des Ukrainischen Veteranenfonds, rund um die Uhr.

Die Nummern stammen von der Seite des Ministerkabinetts zum Programm „Ty yak?“ („Wie geht’s dir?“, Juni 2023); bitte prüfen Sie vor dem Anruf, ob sie noch gültig sind. Bei Suizidgedanken oder unmittelbarer Gefahr wählen Sie 103 oder 112.

Quellen

Dieser Beitrag dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung. Selbstmedikation kann Ihrer Gesundheit schaden.